Es war einmal ein alter gusseiserner Topf, der lange Jahre unbeachtet und verkrustet in einem Schrank im Keller verbracht hatte. Aber plötzlich fand er sich in der Küche wieder, ordentlich gereinigt, beinahe schon glänzend. So glänzend wie ein gusseiserner Topf eben glänzen kann. Dafür war er aber eine Art Allround-Topf, robust und ziemlich pflegeleicht. Aber er war nicht komplett, denn der passende Deckel fehlte. Da in der Küche ein ziemliches Chaos herrschte, wanderte der Topf öfters von einem Fach in's andere, staubte auch schonmal eine Weile oben auf dem Küchenschrank ein, und sah auf seinem Weg durch die Küche so manchen Deckel, der allerdings immer eine falsche Form, Größe oder Beschaffenheit hatte. Es waren hübsche Deckel aus glänzendem Stahl, nett anzusehen, aber er erkannte immer, daß sie nicht zu ihm passen würden.
Eines Tages landete der Topf in einem großen Schubkasten, in dem sich noch ein paar Töpfe, Pfannen und verschiedene Deckel befanden. Er sah sich um und entdeckte bald einen Deckel, der für ihn wie geschaffen schien. So einen Deckel hatte er auf seinem Weg durch die Küche noch nicht gesehen. Voller Begeisterung sprach er den Deckel an. Dieser war zunächst ganz überrascht. Normalerweise wurde nicht so direkt von einem Topf angesprochen. Pfannen haben dies schon öfters gemacht, auch hatte der Deckel sich oft mit anderen Deckeln darüber unterhalten, die richtige Pfanne bzw. den richtigen Topf zu finden. Aus einem unerfindlichen Grund aber waren die Deckel meistens auf Pfannen gelandet die zu klein waren oder zu heiss, oder auf Töpfen mit falscher Form und Größe. Da aber der Deckel sehr überrascht war, so einfach von dem Topf angesprochen zu werden, tauschen sie sich eine Weile lang aus und der Topf merkte immer mehr, daß dieser Deckel passen könnte. Er hatte die richtige Form und Größe und auch das Material stimmte. Er war sogar so beschaffen, daß er beim Kochen vermutlich nicht klappern würde und wenn doch, hätten sie aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit denselben Klang. Auch fand der Topf heraus, daß der Deckel ähnlich wie er selbst lange verschmutzt und verkrustet war, bevor er dann kürzlich davon befreit wurde. Sie teilten insofern eine ähnliche Vergangenheit und auch eine gemeinsame Vorliebe für die Art von Gerichten, die in ihnen gekocht würden. War dies womöglich der Deckel, der ursprünglich für den Topf vorgesehen war? Der Topf gab dem Deckel zu verstehen, daß er von diesem ganz hingerissen sei, und gerne mal bei kleiner Hitze ausprobieren würde, ob die beiden wirklich so gut zusammenpassen wie er sich das dachte. Der Deckel aber konnte mit der Begeisterung des Topfes nichts anfangen und gab dem Topf zu verstehen, daß da die Küche wohl eher kalt bliebe und außer dem Klappern im Schubkasten nichts drin sei. Der Deckel hatte nämlich gerade eine "heiße Affaire" mit einer Bratpfanne. Irgendwie war der Deckel immer schon überzeugt, eines Tages die passende Bratpfanne zu finden, selbst wenn diese Pfannen oft zu klein oder zu heiss waren oder sich als ovale Bräter herausstellten, die einen ganz speziellen Deckel in ihrer eigenen Form benötigten. Für viele dieser Pfannen war auch ein Deckel gar nicht vorgsehen. Trotz all der misslungenen Gerichte, die der Deckel zusammen mit den Pfannen und dem Bräter bereitete, merkte dieser gar nicht, daß er vielleicht doch auf den großen gußeisernen Topf gehörte. Dabei hätte der Deckel es ganz einfach mal ausprobieren können. Würde das Gericht gar werden oder verkochen? Würde die Flüssigkeit sich im Topf halten oder das Essen anbrennen? Würde der Deckel bei höherer Temperatur auf dem Topf klappern und wenn ja,würde dies vielleicht sogar einen harmonischen Klang erzeugen? Der Topf fragte sich, ob sich der Deckel wirklich so einfach diesen Fragen entziehen konnte. Der Topf war offen und liess bereitwillig in sich hineinschauen, der Deckel hingegen öffnete sich immer nur kurz und war ansonsten verschlossen. Der Topf klagte den anderen Deckeln und auch so manchem Topf sein Leid und stiess auf viel Verständnis, aber helfen konnten sie ihm nicht. Sie versuchten ihm Mut zu machen, daß er irgendwann den passenden Deckel finden würde. Sie erzählten von ihren Kochversuchen mit oft unpassenden Töpfen, Deckeln und Pfannen, die daher zum großen Teil auch nicht erfolgreich verlaufen waren und erwarteten ihrerseits, daß der große Topf ihnen Trost spenden würde. Sie gaben ihm auch Tipps wo er einen passenden Deckel suchen sollte, aber der Topf war nicht bereit zu einer Suche, war er doch der Ansicht, diesen Deckel bereits gefunden zu haben. Zumindest wollte er es herausfinden, denn mangels gemeinsamer Versuche, vielleicht erstmal vorsichtig bei kleiner Flamme, war der Topf sich natürlich auch nicht hundertprozentig sicher. Über eins war er sich aber sicher: Er wollte es weiterhin versuchen, denn wann immer er und der Deckel in dem Schubkasten aneinander stiessen, merkte er immer mehr, daß dieser Deckel für ihn wie geschaffen war.
Wäre es ein Märchen, so würden sie bald aufeinander treffen und bei
kleiner Hitze die ersten Kochversuche unternehmen.
Sie würden zusammen herausfinden, ob und wann sie zu höheren Temperaturen
übergehen könnten, oder ob die Küche doch besser kalt bleiben sollte.
Da aber Märchen immer gut ausgehen, würden sie wohl lange Jahre gemeinsam
die wunderbarsten Köstlichkeiten bereiten und das Märchen würde mit "und
wenn sie nicht verrostet sind" enden.
Dies ist aber nur eine Geschichte ohne Ende...
Was haltet Ihr von dieser Geschichte?
Werden die beiden irgendwann zusammen eine "heiße Romanze" erleben?
Habt Ihr vielleicht auch interessante "Küchengeschichten" zu erzählen?
Oder ist das hier off topic und gehört eher nach de.rec.mapf? ;)
Viele Grüße aus der Küche
Christoph
Entnommen aus der Newsgruppe de.talk.romance mit freundlicher Genehmigung des Autors